Nordkurve-MD

Presse 27

Tadelloser dritter Platz, der trotzdem weh tut

Es ist wohl keinesfalls übertrieben, von einer „verrückten“ Regionalliga-Saison zu sprechen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass Neuling 1. FC Magdeburg nur hauchdünn den Durchmarsch verpasste, dass Holstein Kiel mit dem höchsten Etat und 48 (!) Punkten die Klasse verlassen musste oder dass zwischen einem Auf- und Abstiegsplatz am Ende nur 13 Zähler lagen?
Magdeburg. Die Zielsetzung des FCM zu Beginn des neuen Spieljahres konnte nichts anderes als Klassenerhalt heißen. Zumal der Verein die Oberliga-Meisterschaft nicht im Hurra-Stil errungen hatte und „nur“ vier Neue holte, von denen Frank Gerster (aus Emden) immerhin Bundesliga-Erfahrung besaß und auch von Mittelfeld-Regisseur Kais Manai (Jena) eine Menge erwartet wurde.
Doch wie schwer es der Aufsteiger haben sollte, wurde schon im ersten Spiel in der Fremde deutlich – 0:5 in Kiel. Und das, obwohl man frühzeitig einen Spieler mehr auf dem Feld hatte und es zur Pause noch 0:0 stand. Auch in den weiteren Auswärtspartien mussten die Elbestädter Lehrgeld zahlen. Bitter das 1:2 in Ahlen mit dem entscheidenden Gegentor in der 90. Minute oder das 1:2 in Dresden, als man vor mehr als 19 000 Zuschauern streckenweise die bessere Mannschaft war.
Nur gut, dass zu Hause die Punkte eingefahren werden konnten – nicht immer schön, nicht immer spektakulär (siehe das 1:0 mit viel Krampf gegen Erfurt), nicht mit der erhofften Unterstützung von Manai, aber erfolgreich. Diese Siege führten dazu, dass der FCM letztlich nur ein einziges Mal auf einem Abstiegsplatz stand (Rang 16 nach der Pleite in Kiel).
Mit dem 3:1 in Dortmund wurde dann am 14. Oktober 2006 auch auswärts endlich der Bock umgestoßen. Zwar folgte im nächsten Heimspiel prompt die erste Niederlage auf eigenem Platz (0:2 gegen Lübeck), doch die Truppe hatte sich in der neuen Umgebung zurechtgefunden. Und als dann ein glückliches 2:1 bei Union Berlin gelang bzw. Wilhelmshaven sicher mit 3:0 geschlagen wurde, erklomm der Club als Fünfter erstmals höhere Tabellenregionen.
Doch dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigten schon die nächsten vier Begegnungen, als in Leverkusen (mühevolles 1:1), gegen Kickers Emden (ebenfalls 1:1), vor allem beim FC St. Pauli (mit 0:2 noch gut bedient) und beim HSV II (erneut 1:1 und vor der Winterpause bereits das erste Match der Rückserie) kein Dreier mehr gelang. Der achte Rang bedeutete aber dennoch eine mehr als achtbare Platzierung.
Enttäuschend sicherlich die Zuschauerzahlen im Ausweichquartier Germerstadion. Kein einziges Mal stand vorne die „4“ – 3754 Fans im Heimspiel gegen RW Erfurt bedeuteten die höchste Zahl. Die Hoffnungen ruhten nun ganz auf der neuen Arena, die am 19. Dezember beim 0:0 gegen Zweitliga-Schlusslicht Eintracht Braunschweig offi ziell eingeweiht wurde.
Während zur Winterpause die Konkurrenz zum Teil mächtig aufrüstete, blieb der FCM seiner Linie treu und vertraute dem vorhandenen Kader. Lediglich Mittelfeldspieler Björn Lindemann (in Lübeck in Ungnade gefallen) kam dazu.
Am 10. Februar 2007 verfolgten dann immerhin 8012 Zuschauer das erste Pfl ichtspiel gegen Holstein Kiel. Sie sahen zwar kein Tor, fühlten sich aber in der neuen Umgebung wohl und vor allem auch sicher.
Nach dem 0:2 gegen einen regelrecht destruktiv aufspielenden Gast aus Ahlen und weiteren drei Remis, darunter das glückliche 2:2 in Erfurt, glaubte aber wohl niemand daran, dass man noch einmal ganz oben würde angreifen können.
Doch dann folgte eine Phase, wie sie kaum besser hätte verlaufen können. Die eigenen Spiele wurden gewonnen, wobei so manches Mal Fortuna mit im Bunde war, und die wesentlich höher einzuschätzende Konkurrenz (Osnabrück, Dresden, Wuppertal oder Düsseldorf) patzte in schöner Regelmäßigkeit. So, als wolle man einfach nicht aufsteigen. Lediglich der FC St. Pauli bekam rechtzeitig die Kurve und ließ sich von Rang eins dann auch nicht mehr verdrängen.
Offen und heiß umkämpft blieb der zweite Aufstiegsplatz. Nach einer Super-Serie (insgesamt blieb der FCM sogar zwölfmal ungeschlagen und hatte dies nicht zuletzt dem nach neunmonatiger Verletzungspause mit einigen Paukenschlägen zurückgekehrten Aleksandar Kotuljac und einem Klasse-Regisseur Manai zu verdanken) reiften die Träume immer mehr. Und nach dem 2:0 bei Hertha BSC II an einem lauen Freitagabend Ende April war es dann soweit – der FCM kletterte auf Rang zwei und wurde selbst tags darauf, als die Konkurrenz wieder einmal für den FCM spielte, nicht verdrängt.
Nun strömten endgültig auch die Massen ins neue Stadion. Mehr als 18 000 (!) kamen beim 3:1 gegen Union Berlin. Eine Partie, die Präsident Volker Rehboldt später als die bislang nervenaufreibendste der Saison bezeichnete und die schon verloren schien, im zweiten Abschnitt aber doch noch gedreht wurde. Drei Runden vor Schluss hatte der FCM sage und schreibe fünf Punkte Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz – kaum zu glauben, aber wahr!
Doch ausgerechnet jetzt begann das Drama und das Blatt sich zu wenden. Das Glück, das dem FCM zuvor hold war, hatte ihn komplett verlassen. Dass es aber so bitter enden sollte, konnte nach dem ärgerlichen 1:1 gegen Leverkusen II mit einem späten Gegentor vor einer erneut stattlichen Kulisse (14 000) noch niemand ahnen. Und auch nach dem 2:4 in Emden – ein Sieg hätte den vorzeitigen Aufstieg bedeutet – besaßen die Blau-Weißen ja noch immer einen Matchball. Doch auch der wurde vergeben. Vor seit Wochen ausverkauftem Haus (25 300) reichte ein 1:1 gegen den bereits aufgestiegenen FC St. Pauli nicht. Kurz vor Schluss war Osnabrück noch das 2:1 gegen Ahlen gelungen und damit vorbeigezogen.
So stand schließlich ein dritter Platz zu Buche, der unterm Strich natürlich ein glänzendes Ergebnis darstellte, der angesichts des greifbar nahen Durchmarsches zunächst aber für blankes Entsetzen sorgte. Eine wahrlich „verrückte“ Saison ...

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